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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Konflikte kosten Geld - aber wieviel?


msikor
11.06.07, 17:14
Konflikte kosten Geld - aber wieviel? (http://www.bmev.de/www/documents/sonderdruck_konfliktkosten.pdf)


Das Konflikte in Unternehmen Geld kosten mag eine Binsenweisheit sein - vielen Führungskräften und ManagerInnen scheint aber nicht klar zu sein wie hoch die Gewinneinbußen durch ungelöste, "kalte" oder schwelende Konflikte sein können. Um es auf den Punkt zu bringen: Je nach Größe eines Unternehmens können eskalierende Konflikte ein entscheidender Faktor für das wirtschaftliche Aus, den Konkurs sein! Gerade kleine und mittelständische Unternehmen haben meist keinen finanziellen Puffer, um erheblichen Personalschwund oder Motivationseinbrüche bei ihren Mitarbeiterinnen und Führungskräften aufzufangen.

Auch wenn dieser Zusammenhang mit gesundem Menschenverstand nachvollziehbar ist, scheinen manche UnternehmerInnen nach "klaren Zahlen" zu verlangen, was Mediation denn nun bringt (was man getrost als Ausrede werten kann, die schwelenden Konflikte noch einen Weile unter dem Teppich zu lassen).

Dank der Arbeit von Dr. jur. Detlev Berning, Mediator BM und Steuerberater, können wir MediatorInnen nun mit harten Fakten aufweisen, wenn es um die indirekten Kosten eines Konflikts geht. Anhand zweier Fälle aus seiner Beratungspraxis als Steuerberater hat Detlev Berning die (indirekten) Konfliktkosten berechnet und kommt dabei bspw. für eine Anwaltskanzlei mit 4 Partner mit gut 400.000 Euro Gewinn/Jahr auf Konfliktkosten von 280.000 Euro (schon richtig gelesen, 280 Tausend Euro!). Dieser Verlust führte dann auch innerhalb kurzem zur Auflösung der Kanzlei.

Ein zweites Beispiel für ein mittelständisches IT-Unternehmen (1,2 Millionen Gewinn im Jahr) kommt auf indirekte Konfliktkosten von über 1 Million Euro! Der drastische konfliktbedingte Verlust führte schließlich dazu, dass die Hausbank die Finanzierung einstellte, das Unternehmen befindet sich derzeit in einer radikalen Umstrukturierung.

Gute Gründe also für uns MediatorInnen, selbstbewußt auf Unternehmen zuzugehen und unsere Dienstleistung zu angemessenen Preisen anzubieten, oder nicht?

Hier noch eine kleine Ergänzung: Zu letzterer Frage finden Trainer-, Berater- und TrainerInnen ein paar Tipps und Anregungen in unserem Artikel "Wie verhandle ich Honorare?" (http://www.institut-sikor.de/artikel/artikel_honorar.htm)

Hier geht´s zum Artikel von Detlev Berning (http://www.bmev.de/www/documents/sonderdruck_konfliktkosten.pdf)- nochmals Hochachtung vor dieser Pionierarbeit!
http://www.bmev.de/www/documents/sonderdruck_konfliktkosten.pdf

SGlasbrenner
12.06.07, 12:32
Die Thematik, wieviel monetär zu beziffernde Einheiten Unternehmen jährlich flöten gehen durch die Negierung, Bagatellisierung und letztlich Nichtbearbeitung vorhandener Konflikte, ist hochspannend.
Ich verweise in diesem Zusammenhang immer gerne auf einen Satz im Wirtschaftsmagazin brand eins (Ausgabe 01/07), wo es heißt "(...) Dabei haben die Akteure Glück, dass falsche Entscheidungen oder die Vernichtung von Arbeitszeit, Kreativität und Mitarbeitereinsatz bislang nicht bilanzierungsfähig sind."

Das ist meiner Ansicht nach der Knackpunkt: "Weiche Faktoren" sind bislang nur schwer in schwarze Zahlen umzuwandeln. Eigentlich erstaunlich, wo doch viele Ergebnisse aus Studien und schwarzes Zahlenmaterial zum Themenfeld Burnout, Depression, Mobbing, mangelnde Mitarbeitermotivation, innere Kündigung, Konflikte mit Mitarbeitern oder Geschäftspartnern (den Gerichts-Prozesskosten zu entnehmen) verfügbar sind.

Vielleicht sollte mal in entsprechenden Kreisen angeregt werden, einen Rechnungsposten "Konfliktkosten" in die jährliche Abschlussbilanz eines Unternehmens aufzunehmen. Wenn den Geschäftsführern und Aktionären dann ähnliche Zahlen wie die aus der Studie von Herrn Berning um die Ohren fliegen, könnte dies mit einiger Wahrscheinlichkeit mehr Aufmerksamkeit auf das in Unternehmen weitgehend noch unbeackerte Feld des Konfliktmanagements lenken.

Mit stets optimistischen
Sabrina Glasbrenner

Joachim Simen
15.06.07, 12:16
Zu diesem Thema gibt es auch einen lesenswerten Beitrag von Dr. Markus Troja in der Zeitschrift für Konfliktmanagement (ZKM).

Der Artikel versucht die mit innerbetrieblichen Konflikten verbundenen Kosten darzustellen und eine Grundlage für ihre Berechnung zu liefern. Er geht vor allem auf die Erfassung der Kostenfaktoren ein und versucht diese wertmäßig zu bestimmen.

Markus Troja: Konfliktkosten in Unternehmen
ZKM 5/2006 Seite 150-154

gats
20.06.07, 14:10
Man müsste wirklich mal einen Controller befragen und nachhaken was die dazu sagen.