Redaktion
17.01.05, 21:37
Kreativitätstechnik in der Mediation: Arbeit mit Symbolen
Ein Beitrag von Christine Bergdolt
Im Rahmen unserer Weiterbildung "Mediation" haben wir u. a. eine Arbeitsgruppe "Kreativität" gegründet. Ziel war es, verschiedene (Kreativ)techniken (z.B. aus dem therapeutischen Bereich) auszuprobieren und daraufhin zu überprüfen, ob sie für Mediation geeignet sind.
In diesem Beitrag geht es um die Arbeit mit Gegenständen als Symbole während einer Trennungs-Mediation in der Phase "Interessen und Bedürfnisse".
Folgende Überlegungen veranlassten uns, diese Technik in einem Rollenspiel auszuprobieren:
Beim Assoziieren auf ein Symbol können vergessene Gedanken und Empfindungen auftauchen, aber auch Ideen für die weitere Vorgehensweise, für Wünsche entstehen.
Denn indem die Parteien die Aufmerksamkeit auf das Symbol richten, werden bisher rationale Überlegungen ausgeschaltet, die Parteien kommen weg von Fixierungen auf "vorgefertigte" Meinungen, Kreativität und Offenheit wird freigesetzt.
Dabei wird "an der Oberfläche" zunächst über das Symbol gesprochen, gleichzeitig werden Verbindungen zum realen Thema hergestellt.
Vorbereitung:
Wir haben ein Tablett mit ausreichend unterschiedlichen, beliebigen Gegenständen bereitgestellt. Das können zum Beispiel sein eine Blume, eine Uhr, Schlüsselbund, Papier, Stift, eine Glaskugel etc..
Einstieg:
Die Parteien wurden gebeten, sich jeweils ein Symbol auszusuchen, das sie spontan zu dem anstehenden Thema anspricht. Das kann ein Symbol zu dem konkreten Thema sein, oder auch ein Symbol für eine Empfindung "wie es mir damit geht".
Dabei ist es wichtig, dass die Wahl des Symbols spontan ausfällt.
Beispiel:
Das Thema, zu dem die Interessen und Bedürfnisse ermittelt werden sollten, lautete
"Regelung der Besuchszeiten für die Kinder".
Als Symbol wählte eine Partei einen Schlüssel.
Wenn beide Parteien ein Symbol gewählt haben, beginnt eine und nennt die Eigenschaften, die für sie an dem Symbol wichtig sind und die Assoziationen, die dabei entstehen. Dabei kann der Mediator durch Fragen die Wahrnehmung unterstützen. Zum Beispiel:
"Was bedeutet dieses Symbol für Sie?"
"Was machen Sie damit?"
"Was bedeutet das konkret für das Thema?"
"Welche Eigenschaften sind Ihnen an diesem Symbol wichtig?"
"Wenn Sie das so anschauen, was sehen Sie darin?"
"Wenn Sie das so in der Hand halten, wie fühlt sich das an?"
"Was bedeutet das für Sie, das so in der Hand zu halten?"
"Warum ist das wichtig für Sie...?"
Nochmal das Beispiel mit dem Schlüssel:
Durch die Assoziationen und die Fragen des Mediators wurden die verschiedenen Bedürfnisse herausgearbeitet. Zum Beispiel kann hinter dem Symbol Schlüssel der Wunsch stehen, immer Willkommen zu sein oder uneingeschränkt Zugang zu den Kindern zu haben. Oder für die Kinder auch nach der Trennung eine wichtige "Schlüsselfigur" zu sein...
Fazit:
In diesem Rollenspiel haben wir die Interessen und Bedürfnisse beider Parteien mit Hilfe der Symbolarbeit sehr gut heraus arbeiten können. Beide Parteien empfanden diese Methode als angemessen und interessant.
Mit folgenden Fragen haben wir uns nach dem Rollenspiel näher beschäftigt:
Ist es besser, erst eine Partei ein Symbol aussuchen zu lassen und gleich in die Assoziation einzusteigen und danach erst die andere Partei, oder gleichzeitig beide Parteien zu bitten, ein Symbol zu wählen?
Wann schreibt man was auf den Flipchart?
Wie gehe ich damit um, wenn eine Partei sich weigert, mit Symbolen zu arbeiten?
Ist ein Symboltausch sinnvoll, nachdem beide Parteien sich zu ihrem Symbol geäußert haben?
Folgende Vorschläge haben wir dazu erarbeitet:
Wir waren alle der Meinung, dass beide Parteien gleichzeitig ihr Symbol aussuchen sollten, da wir diese Spontanität als wichtig empfanden. Dass dafür dann die Assoziationen der zweiten Partei zu ihrem Symbol nicht so spontan waren wie die der ersten (da sie ja später zum Zuge kam), empfanden wir als nicht nachteilig.
Durch die Arbeit mit dem Symbol entstand zeitweise eine sehr persönliche und vertrauensvolle Atmosphäre. Um das nicht zu stören, haben wir einige Dinge, die gesagt wurden, auf Papier festgehalten, um sie später auf den Flip Chart zu übertragen. In anderen Momenten störte es nicht, wenn einer der Mediatoren aufstand, um etwas auf den Flip Chart zu schreiben. Es kommt also auf die Situation an und darauf, dass der Mediator ein Gefühl dafür hat, wann er aufstehen kann, ohne den Fluss zu stören.
Wenn eine Partei es ablehnt, ein Symbol auszusuchen, ist es unserer Meinung nach durchaus möglich, mit nur einer Partei die Symbolarbeit zu machen (wenn alle damit einverstanden sind). Die andere Partei nennt dann ihre Interessen und Bedürfnisse (wie gehabt) ohne Assoziation auf ein Symbol.
Nachdem beide Parteien ihre Bedürfnisse genannt hatten, hatte ich die Idee, sie zu bitten, ihre Symbole zu tauschen und noch etwas dazu zu sagen. Damit wollte ich das Verständnis füreinander noch mehr fördern. Eine Partei fand das gut und interessant, die andere überhaupt nicht. Hier gilt es also, jeweils individuell zu erspüren, ob das Sinn macht oder nicht.
Ich freue mich über Anregungen und Kommentare!
Christibne Bergdolt
Ein Beitrag von Christine Bergdolt
Im Rahmen unserer Weiterbildung "Mediation" haben wir u. a. eine Arbeitsgruppe "Kreativität" gegründet. Ziel war es, verschiedene (Kreativ)techniken (z.B. aus dem therapeutischen Bereich) auszuprobieren und daraufhin zu überprüfen, ob sie für Mediation geeignet sind.
In diesem Beitrag geht es um die Arbeit mit Gegenständen als Symbole während einer Trennungs-Mediation in der Phase "Interessen und Bedürfnisse".
Folgende Überlegungen veranlassten uns, diese Technik in einem Rollenspiel auszuprobieren:
Beim Assoziieren auf ein Symbol können vergessene Gedanken und Empfindungen auftauchen, aber auch Ideen für die weitere Vorgehensweise, für Wünsche entstehen.
Denn indem die Parteien die Aufmerksamkeit auf das Symbol richten, werden bisher rationale Überlegungen ausgeschaltet, die Parteien kommen weg von Fixierungen auf "vorgefertigte" Meinungen, Kreativität und Offenheit wird freigesetzt.
Dabei wird "an der Oberfläche" zunächst über das Symbol gesprochen, gleichzeitig werden Verbindungen zum realen Thema hergestellt.
Vorbereitung:
Wir haben ein Tablett mit ausreichend unterschiedlichen, beliebigen Gegenständen bereitgestellt. Das können zum Beispiel sein eine Blume, eine Uhr, Schlüsselbund, Papier, Stift, eine Glaskugel etc..
Einstieg:
Die Parteien wurden gebeten, sich jeweils ein Symbol auszusuchen, das sie spontan zu dem anstehenden Thema anspricht. Das kann ein Symbol zu dem konkreten Thema sein, oder auch ein Symbol für eine Empfindung "wie es mir damit geht".
Dabei ist es wichtig, dass die Wahl des Symbols spontan ausfällt.
Beispiel:
Das Thema, zu dem die Interessen und Bedürfnisse ermittelt werden sollten, lautete
"Regelung der Besuchszeiten für die Kinder".
Als Symbol wählte eine Partei einen Schlüssel.
Wenn beide Parteien ein Symbol gewählt haben, beginnt eine und nennt die Eigenschaften, die für sie an dem Symbol wichtig sind und die Assoziationen, die dabei entstehen. Dabei kann der Mediator durch Fragen die Wahrnehmung unterstützen. Zum Beispiel:
"Was bedeutet dieses Symbol für Sie?"
"Was machen Sie damit?"
"Was bedeutet das konkret für das Thema?"
"Welche Eigenschaften sind Ihnen an diesem Symbol wichtig?"
"Wenn Sie das so anschauen, was sehen Sie darin?"
"Wenn Sie das so in der Hand halten, wie fühlt sich das an?"
"Was bedeutet das für Sie, das so in der Hand zu halten?"
"Warum ist das wichtig für Sie...?"
Nochmal das Beispiel mit dem Schlüssel:
Durch die Assoziationen und die Fragen des Mediators wurden die verschiedenen Bedürfnisse herausgearbeitet. Zum Beispiel kann hinter dem Symbol Schlüssel der Wunsch stehen, immer Willkommen zu sein oder uneingeschränkt Zugang zu den Kindern zu haben. Oder für die Kinder auch nach der Trennung eine wichtige "Schlüsselfigur" zu sein...
Fazit:
In diesem Rollenspiel haben wir die Interessen und Bedürfnisse beider Parteien mit Hilfe der Symbolarbeit sehr gut heraus arbeiten können. Beide Parteien empfanden diese Methode als angemessen und interessant.
Mit folgenden Fragen haben wir uns nach dem Rollenspiel näher beschäftigt:
Ist es besser, erst eine Partei ein Symbol aussuchen zu lassen und gleich in die Assoziation einzusteigen und danach erst die andere Partei, oder gleichzeitig beide Parteien zu bitten, ein Symbol zu wählen?
Wann schreibt man was auf den Flipchart?
Wie gehe ich damit um, wenn eine Partei sich weigert, mit Symbolen zu arbeiten?
Ist ein Symboltausch sinnvoll, nachdem beide Parteien sich zu ihrem Symbol geäußert haben?
Folgende Vorschläge haben wir dazu erarbeitet:
Wir waren alle der Meinung, dass beide Parteien gleichzeitig ihr Symbol aussuchen sollten, da wir diese Spontanität als wichtig empfanden. Dass dafür dann die Assoziationen der zweiten Partei zu ihrem Symbol nicht so spontan waren wie die der ersten (da sie ja später zum Zuge kam), empfanden wir als nicht nachteilig.
Durch die Arbeit mit dem Symbol entstand zeitweise eine sehr persönliche und vertrauensvolle Atmosphäre. Um das nicht zu stören, haben wir einige Dinge, die gesagt wurden, auf Papier festgehalten, um sie später auf den Flip Chart zu übertragen. In anderen Momenten störte es nicht, wenn einer der Mediatoren aufstand, um etwas auf den Flip Chart zu schreiben. Es kommt also auf die Situation an und darauf, dass der Mediator ein Gefühl dafür hat, wann er aufstehen kann, ohne den Fluss zu stören.
Wenn eine Partei es ablehnt, ein Symbol auszusuchen, ist es unserer Meinung nach durchaus möglich, mit nur einer Partei die Symbolarbeit zu machen (wenn alle damit einverstanden sind). Die andere Partei nennt dann ihre Interessen und Bedürfnisse (wie gehabt) ohne Assoziation auf ein Symbol.
Nachdem beide Parteien ihre Bedürfnisse genannt hatten, hatte ich die Idee, sie zu bitten, ihre Symbole zu tauschen und noch etwas dazu zu sagen. Damit wollte ich das Verständnis füreinander noch mehr fördern. Eine Partei fand das gut und interessant, die andere überhaupt nicht. Hier gilt es also, jeweils individuell zu erspüren, ob das Sinn macht oder nicht.
Ich freue mich über Anregungen und Kommentare!
Christibne Bergdolt