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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Die Walt-Disney-Strategie (von Eva Wank)


Redaktion
17.01.05, 21:45
Ein Beitrag von Eva Wank

Kreativität wird in der Mediation immer noch häufig mit dem klassischen "brainstorming" gleichgesetzt. Inzwischen ist dieser Bereich jedoch weiterentwickelt worden. Viele Kreativitätsstrategien haben sich, besonders im Bereich der Organisationsentwicklung, bereits bewährt. Eine dieser Strategien möchte ich im Folgenden vorstellen.

Sie bemerken in der Arbeit mit einem Team immer wieder Personen, die gute Ideen haben, sehr begeisterungsfähig sind, diese allerdings selten konsequent umsetzen. Dem gegenüber stehen wiederum andere, die immer nur sehen, was fehlt, warum etwas nicht geht oder was man noch besser machen könnte. Oder solche, die in der Erledigung ihrer Arbeit sehr konsequent sind und Vorgaben schnell und gut umsetzen, die aber selbst nicht so kreativ sind, wenn es darum geht, etwas neues anzugehen.
Es gibt eine Strategie, in der jede dieser Ressourcen optimal genutzt werden kann, um Ziele und Visionen mit großer Kreativität umzusetzen: die Walt-Disney-Strategie.
Die Grundlage dafür hat Walt Disney entwickelt, um seine eigenen Träume und Visionen umzusetzen, was ihm -wie bekannt- in erheblich größerem Umfang gelang, als vielen seiner Mitmenschen.
Man fand heraus, dass Walt Disney sowohl in seiner Person, als auch später in seinem Unternehmen drei Phasen für einen kreativen Prozeß unterschied. Diese drei Phasen trennte er strikt und hielt sich stets an die Reihenfolge.
1. die Phase des Träumers und Visionärs. In dieser Phase geht es ausschließlich darum, Ideen zu entwickeln, den Gedanken und Phantasien freien Lauf zu lassen und dabei fast keine Grenzen und Einschränkungen zu konstruieren. Ziele und Visionen werden entwickelt.
2. die Phase des Realisten. Hier werden die Ideen aus der vorangegangenen Phase konkret geplant, weiterentwickelt und umgesetzt. Oder ein Ziel wird in Teilziele zerlegt. Es geht um die Konkretisierung im Hinblick auf Zeit, Geld, Vorbereitung, Wissen, wieviel Beteiligte usw.
3. die Phase des wohlwollenden Kritikers. Hier wird der bisher entwickelte Plan auf Chancen und Risiken/Schwachstellen überprüft und mit konkreten Nachbearbeitungsaufgaben versehen. Realisierbare Teile werden umgesetzt.
(4. hier beginnt wieder die Phase des Träumers, um die Vision zu erweitern und um die Kritikpunkte zu ergänzen, oder um zu einzelnen Punkten neue Visionen zu entwickeln. Die Phasen werden in der gleichen Reihenfolgen solange durchlaufen, bis möglichst viele Ideen in die Tat umgesetzt werden konnten.)

Das besondere an Walt Disney war, dass er alle drei Positionen gleich stark besetzt hat. Jeder Mensch hat und kennt diese drei inneren Zustände, nur ist meist einer besonders stark ausgeprägt oder sie werden vermischt. Mit Hilfe dieser Strategie können die weniger ausgeprägten Zustände gefördert und ausgeglichen werden und die Einhaltung der Reihenfolge kann selbstverständlich werden.
Diese Idee hat er auch in seinem Unternehmen eingesetzt. Durch eine räumliche Trennung schaffte er einen Platz für Träumer, einen für die Realisten und einen für Kritiker. Man sagt, er habe die Räume dementsprechend eingerichtet.
Es zeigt sich, dass es auch für die Arbeit in einem Team hilfreich sein kann, dieses Modell zu kennen und Menschen nach ihrer Spezialisierung koordiniert einzusetzen. Teams profitieren davon, wenn in ihnen die Potentiale aller drei Rollen ausgeprägt sind.

Von Unternehmensberatern wurde dieses Konzept aufgegriffen und zur Methode der "Traumwerkstätten" ausgebaut. Ziel einer Traumwerkstatt ist die Bildung einer gemeinsamen Idee und die sich dadurch ergebende Verbesserung der Kommunikation und des Verständnisses zwischen den Funktionsbereichen. Mitarbeiter aus den verschiedenen Ebenen und Bereichen kommen an einem Ort zusammen, um möglichst kreativ über die Zukunft des Unternehmens oder ihrer Abteilungen zu phantasieren und gemeinsame Ziele zu entwickeln.

Anwendung in der Mediation:
Sie können die Walt-Disney-Strategie in unterschiedlichen Formen anwenden.
- Sie können innerhalb einer Firma das Bewußtsein für dieses Modell fördern und das gegenseitige Verständnis für die Wichtigkeit jeder dieser Aufgaben integrieren.
- Sie können auch die Disney-Positionen mit Personen besetzen lassen, bei denen die jeweilige Fähigkeiten besonders gut ausgeprägt sind.
- Oder Sie lassen jedes Mitglied jede Phase einmal durchlaufen.
- Eine weitere Möglichkeit ist, das ganze Team jede Position durchlaufen zu lassen.


Autorin: Eva Wank 20.01.2004