Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Der Chef als Mediator
Ich setzte mich gerade mit dem Thema auseinander. Wer hat erfahrungen in innerbetrieblicher Mediation duch direkte Vorgesetzte?
Welche Chancen und Risiken sehen Sie in diesem Bereich in bezug auf die Allparteilichkeit und die Freiwilligkeit?
Ich wäre um einige Anregungen sehr dankebar.
Gruss aus der Schweiz
Joachim Simen
14.11.07, 11:31
Guten Tag wimach!
Zunächst möchte ich Sie auf einen Beitrag hier im Forum verweisen. Dort finden Sie erste Hinweise und Personen, die sich speziell mit diesem Thema beschäftigen. Siehe hier: http://www.marktplatz-mediation.de/showthread.php?p=2060
Ich persönlich habe Schwierigkeiten damit eine Konfliktklärung durch einen Vorgesetzten zwischen untergeordneten Mitarbeitern als Mediation zu sehen. Dabei geht es mir weniger um die Bezeichnung als viel mehr um die Gefährung der wesentlichen Prinzipien, die die Mediation ausmachen.
Gerade die wahrgenomme und tatsächliche Allparteilichkeit des Mediators (= des Vorgesetzten) scheint mir in so einem Fall doch auf sehr wackeligen Beinen zu stehen. Insgesamt wäre das doch eher eine Verhandlung, bei der auch mit interessensorientierten Verfahren gearbeitet wird. Und das wäre sicher gut, um nachhaltige Lösungen zu schaffen.
Insgesamt sehe ich deshalb eigentlich viele Chancen gegeben, die sich auch bei einer klassischen Mediation bieten. Es kommt sehr darauf an wie der Vorgesetzte seine eigene Rolle sieht und welche Rolle ihm die Beteiligten zuschreiben.
Können Sie vielleicht etwas mehr zum hintergrund Ihrer Frage schreiben? Ich bin sehr gespannt welche Erfahrungen und Anregungen die anderen
Mitglieder beitragen.
Viele Grüße
Joachim Simen
Hallo,
ich kann mich den Ausführungen von Herrn Simen nur anschließen.
Aufgabe einer Führungskraft ist es, Entscheidungen zu treffen. Dies genau tut der Mediator nicht. Daneben hat in aller Regel der Chef eine sehr konkrete Vorstellung davon, wie sein Unternehmen mitsamt den Mitarbeitern funktionieren soll. Aus dieser Position heraus halte ich es für schwierig bis unmöglich, wirklich allparteilich zu sein. Die uneingeschränkte neutrale Außensicht, die für eine Mediation nötig ist kann meiner Meinung nach nur durch einen externen Dritten gewahrt werden.
Davon abgesehen ist der Einsatz interessengerechter Verhandlungstechniken natürlich völlig legitim, wünschenswert und auch sinnvoll - nur sollte ein ein entsprechendes klärendes Gespräch nicht als Mediation bezeichnet werden.
Mit freundlichen Grüßen
Dorothea Kriele
Mirko Haas
18.11.07, 14:28
Hallo Frau Kriele,
ich sehe das ebenso wie Sie und Herr Simen. Ich halte es auch für sehr schwierig, als Vorgesetzter in solchen Situationen wirklich allparteilich zu sein.
Auch wenn in der Literatur gern von mediativ handelnden Führungskräften die Rede ist, die innerbetriebliche Konflikte "problemlos" zu lösen im Stande sind, sieht meine Erfahrung eher anders aus.
Es kann jedoch anders sein, wenn nicht der direkte Vorgesetzte sonden z.B. ein Personalentwickler etc. Mediationserfahrung hat.
Freundliche Grüße aus Hamburg
Mirko Haas
Unregistriert
19.11.07, 19:57
Hallo.
Ein Vorgesetzter hat per Definition die Arbeitgeberseite zu vertreten, er kann also meiner Meinung nach nur theoretisch in ganz speziellen Konfliktsituationen allparteilich sein.
Konflikte zwischen verschiedenen Hierachieebenen wird er eher zu Gunsten der höheren Hierachiestufe schlichten müssen, da hier ein Rollenkonflikt entsteht - sonst untergräbt er ja seine eigene Führungsriege (zumindest kann diese das so empfinden).
Mediation zwischen 2 Konfliktparteien einer niedrigen Hierachieebene werden sich die meisten Chefs nicht antun - dafür ist erfahrungsgemäß ihr Terminkalender zu voll und die Auswirkungen auf das gesamte Unternehmen zu unbedeutend.
Führungskräfte mit mediativer Kompetenz würde sich wohl jeder wünschen, da habe ich leider ganz andere Erfahrung gemacht. Bei den Vorgesetzten, mit denen ich bisher zu tun hatte gilt eher: "Streitkultur und Diskussion gibt's nur solange, wie es sich mit meinen Zielen deckt - sonst gilt immer noch: ich bin der Chef!"
Bei kleineren Betrieben wird der Chef als letztendlicher Entscheider kurzer Hierachien oft am Konflikt selbst aktiv beteiligt sein und damit jenseits jeglicher Neutralität...
Gruß,
Christoph
(Betriebsrat und fast ausgebildeter Mediator in einem kleinen Unternehmen)
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