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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Kreative Intervention zur Überwindung einer Blockade - Praxisfall


Hilke Kenkel-Schwartz
13.03.07, 14:19
Ein Brief sagt mehr als......... ?
Vorstellung einer kreativen Intervention zur Überwindung einer Blockade

Im vorliegendem Fall drohte ein Abbruch der Mediation durch eine der beiden Konfliktparteien. Im Verlauf einer Reihe von Sitzungen nahm der Mediant eine eher passive, an bestehenden Strukturen festhaltende Position ein. Trotz Sensibilität bezüglich dieser Problematik, waren die wiederholten Versuche des Mediators, dem Medianten Möglichkeiten zu schaffen, sich einzubringen, erfolglos. Der Klient zog sich weiter zurück und drohte in jener Sitzung, alle weiteren Schritte zu blockieren bis zum konsequenten Abbruch des Mediatonsverfahrens.

An diesem Krisenpunkt wurde ihm von dem Co-Mediator die Frage gestellt, ob er sich vorstellen könne, hier und jetzt seinem Gegenüber einen von ihm verfassten, fiktiven Brief vorzulesen, in dem er seine Gedanken und Ideen zur Konfliktlösung formuliert. Nach kurzer Bedenkzeit stimmte der Mediant zu und entwarf spontan gedanklich einen Brief an seinen Konfliktpartner und trug diesen umgehend vor. Überraschend war der plötzliche Wechsel von einer feindseligen, sich abwendenden Haltung hin zu einer zugewandten offenen Körperhaltung und Gestik beider Medianten. Ohne weitere Moderation des Mediators nahm der Adressat des ‚Briefes’ das Angebot an und verfasste seinerseits einen ‚Antwortbrief’. Im folgenden entsponn sich ein schriftlicher Dialog zwischen beiden Parteien, dessen ehrlicher und achtsamer Ton für die zuhörenden Mediatoren beeindruckend war.

Es stellt sich die Frage, warum und wie diese Interventionsmethode wirken konnte. Die konzeptuell schriftliche Form der Kommunikation bot dem Klienten einen geschützten Raum. Indem eine ‚formelle’ Distanz geschaffen wurde, war er in der Lage , sich ganz auf sich selbst zu besinnen, ohne in ein destruktives, in der Beziehung gewachsenes Verhaltensmuster zu fallen, wie es sich in den vorangegangenen Sitzungen gezeigt hatte. Der Klient entfaltete seinen Handlungsspielraum nicht nur für uns Außenstehende spürbar, er erlebte sich selbst als aktiv gestaltend und vor allem auch als wirkungsvoll, denn sein Konfliktpartner ließ sich unmittelbar auf diesen ‚Briefwechsel’ ein, so dass der Mediationsprozeß einen großen Schritt weiter vorangebracht werden konnte.

Unregistriert
15.03.07, 12:52
Guten Tag Hilke,

die Idee, dass die Medianten einen fiktiven Brief schreiben, um Ihre Gedanken aussprechen zu können finde ich total klasse. Unser Kurs hat schon viel von der Selbstbehauptung gehört und sich immer wieder gefragt: "Wie kann ich die Selbstbehauptung der Medianten stärken?" Dieser fiktive Brief ist eine weitere gute Antwort. Danke.

Liebe Grüße Gabi Tewes